Zustände @ Galerie Galerie, Graz

Niki Passath – Zustände

Mit dem Raum als konstanten Ausgangspunkt, entwickelt Niki Passath Werke, deren tatsächlicher inhaltlicher und ästhetischer Radius sich erst über das Verständnis der differenten angewandten Methoden und Verfahren des Künstlers verdeutlicht: Zwischen Musik, Robotik, und Bildender Kunst spannt Passath ein Netz aus Verbindungen und Bezügen, welches sich ähnlich einem Rhizom, aber eben als ein synthetisches Ganzes, im Werk versinnbildlicht. In einer Auseinandersetzung mit der künstlerischen Praxis von Passath, wird schnell Eines deutlich: in der Figur des Künstlers hypostasiert ein stringenter interdisziplinärer Ansatz, welcher deutlich wird über die verschiedenen Methoden und Verfahren, die der Künstler anwendet. Zwischen verschiedenen Bereichen und Disziplinen generiert der Künstler so eine in ihrer Ästhetik sehr eigenständige und klar erkennbare künstlerische Handschrift.

In seinen Werken konvergieren Medienkunst, Bildende Kunst und Darstellende Kunst indem Passath beispielsweise Methoden der Medienkunst im Kontext von Objekten, Malerei und Zeichnung anwendet. Oder auch Konzepte der Darstellenden Kunst, wie das der Choreographie, in den Kontext seiner kinetisch – robotischen Objekte überträgt. Ausgehend von der Klassischen Musik entwickelt Passath erweiterte Instrumente – Maschinen respektive Roboter – denen Bewegungen vom Künstler eingepflanzt werden, die sie sodann innerhalb von Performances, vor oder ohne Publikum und im Studio, aufführen. Dabei bedient sich der Künstler aber eben nicht hierfür programmierter und konstruierter Maschinen, sondern entwickelt aus teilweise simpelstem Material wie Holz oder auch serienproduzierten Kleincomputern, mechanische, robotische Konstruktionen.

In einer Beschäftigung mit kunsthistorischer Literatur zu Passath, ist immer wieder die Lebendigkeit der Objekte oder ihre Eigenart angesprochen, der Künstler hierzu: „The robots do not seem lifelike because of their appearance, but gain the appearance of vitality by their movements.“ So wird deutlich, dass Passath über die spezifischen Bewegungsabläufe mit welchen er die Objekte ausstattet, explizit die Wahrnehmung von Lebendigkeit im maschinellen respektive robotischen Objekt als signifikanten konzeptionellen Aspekt seiner Werke versteht. So macht es Sinn sich innerhalb der künstlerischen Praxis von Passath, dezidiert mit der Entwicklung von Bewegungsmotiven auseinanderzusetzen, dabei sind verschiedene Motive voneinander zu differenzieren: Handlungsanweisungen, Choreographien, Reaktionsfähigkeit des Objekts und Emotionen. Über ihre Bewegungen generieren die Objekte des Künstlers also ein spezifisches Verhalten – untereinander oder mit dem Publikum – welches für die Rezipienten als ein soziales Verhalten wahrnehmbar ist und auf welches die Rezipient(Innen) emotional reagieren.

Bei einigen Werkserien des Künstlers ist neben der kinetisch-robotischen Konstruktion des Objekts als erster Werkebene, das Hinterlassen von Spuren des Objekts innerhalb einer Performance, als weitere Werkebene zu begreifen. In der Performance hinterlässt das Objekt Spuren seiner Existenz – seines spezifischen Verhaltens – seiner Bewegungsabläufe, monochrom oder mit verschiedenen Farben auf am Ausstellungsboden ausgebreiteten Leinen oder Papier. Bei den Werkserien „Painting Traces“, „The Entertaining Aspect of Destruction“ oder „Thinking like a machine“ muss also in der einzelnen Werkanalyse unterschieden werden zwischen: dem Objekt, der „Robotic Symbiotic Performance“ mit dem Objekt und den dabei entstehenden Gemälden und Zeichnungen, die der Künstler auch als (Zitat) „Bewegungsstudien robotischer Objekte“ bezeichnet.

In der Ausstellung „Zustände“ präsentiert Passath nun eine neue Werkserie bestehend aus Objekten und Gemälden. In Performances die im Studio des Künstlers stattfanden, generierten die hier ausgestellten kinetisch-robotischen Objekte abstrakt anmutende Gemälde, welche die Spuren eben jenes Prozesses als im Gemälde stillstehenden Zustand versinnbildlichen. Die Linien bilden abstrakte Muster, welche die Dynamik des Prozesses als ein Zusammen- und Auseinanderfließen greifbar werden lassen – der Stift rotiert von einem Punkt aus langsam zu einem Anderen und vollzieht dabei die repetitive Bewegung beispielsweise eines Kreises. So entsteht eine räumliche Tiefe durch eine Staffelung der dabei entstehenden Formen und das Gemälde erhält räumlichen Charakter, womit es wiederum auf die Bedingungen seines eigenen Entstehungsprozesses zurückverweist.

Aus den Werkserien „Painting Traces“ oder „Thinking like a machine“ heraus entstanden und verbunden mit der kinetischen Dimension einer installativ-objekthaften Inszenierung wie bei dem 2018 realisierten Ausstellungsprojekt „theatrum mundi“, zeigt diese Ausstellung auch eine explizite Weiterentwicklung in der artifiziellen Praxis des Künstlers. Im performativen Malprozess spannt der Künstler die Leinwand auf, malt den hier monochromen Hintergrund als Maloberfläche und lässt die von ihm entwickelten Objekte mit dem Stift zeichnen. Für die Performancedauer gehen Künstler, Objekt und Gemälde eine symbiotische Verbindung ein – die Gemälde und Objekte erhalten danach autonomen Werkcharakter – zugleich sind sie aber auch Relikte eben jenes performativen Prozesses: In einer Symbiose von Mensch und Robotik entstehen so generative Gemälde und robotische Objekte die in ihrer Ästhetik technologisch wirken und dennoch anthropomorph sind – gehen sie doch generell vom Menschen als Entwickler der Maschine respektive dem Roboter aus. Subtil handeln diese Werke so auch von eben jenem Verhältnis und treiben damit auch eine Hinterfragung von beispielsweise künstlicher Intelligenz in einer hochgradig technologischen Welt mit an.

Elisabeth Saubach, MA (2019)

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