“Über Menschen und Maschinen” @GPLcontemporary, 2019

“Der Linie Folgen”, 2019

Niki Passath absolvierte 2004 an der Universität für angewandte Kunst in Wien sein Studium an der Digitalen Klasse bei Karel Dudesek, Thomas Fürstner und Peter Weibel und entwickelt seitdem interdisziplinär Werke, die sich zwischen Robotik, Musik, Darstellender und Bildender Kunst entfalten. Mit dem Raum als konstanten Ausgangspunkt, entstehen dabei Arbeiten deren inhaltlicher und ästhetischer Radius sich erst über das Verständnis der differenten angewandten Methoden und Verfahren des Künstlers verdeutlicht: Zwischen verschiedenen Bereichen spannt Passath ein Netz aus Verbindungen und Bezügen, welches sich ähnlich einem Rhizom, aber eben als ein synthetisches Ganzes, im Werk versinnbildlicht. In einer Auseinandersetzung mit der künstlerischen Praxis von Passath, wird schnell Eines deutlich: in der Figur des Künstlers hypostasiert ein stringenter interdisziplinärer Ansatz. In seinen Werken konvergieren Bildende Kunst und Darstellende Kunst indem Passath beispielsweise Methoden der Darstellenden Kunst auf seine Objekte, Malerei oder Zeichnungen überträgt, indem er Konzepte wie das der Choreographie, in den Kontext seiner kinetisch – robotischen Objekte überträgt. Ausgehend von der Klassischen Musik entwickelt Passath „erweiterte Instrumente“ – Maschinen respektive Roboter – denen Bewegungen vom Künstler eingepflanzt werden, die sie sodann innerhalb von Performances, vor oder ohne Publikum und im Studio, aber immer in unterschiedlicher Symbiose mit dem Künstler (je nach Werkserie), aufführen. Die Symbiose zwischen Künstler und Roboter, respektive maschineller Konstruktion, findet dabei zum Beispiel durch ein Vorzeichnen der Linie, welcher das Objekt folgt statt – oder auch durch ein kurzes Vorbeistreichen mit der Hand, womit Sensoren angesprochen werden, und das Objekt beispielsweise seine Richtung spontan aber gezielt ändert. Aber auch über malerische Aspekte – wie den zumal monochromen Hintergrund, vor welchem das Objekt dann seine Bewegungen aufführt und die je einmaligen Spuren seiner Existenz dabei hinterlässt. Passath bedient sich dabei aber nicht hierfür programmierter oder konstruierter Maschinen, sondern entwickelt aus teilweise simpelstem Material wie Holz oder auch serienproduzierten Kleincomputern, mechanische, robotische Konstruktionen die spezifischen, vom Künstler programmierten Bewegungsmodi folgen und dabei beispielsweise eben jene Choreographien aufführen. Während dieser Aktionen oder Performances hinterlassen diese Objekte auf Leinen oder Papier Spuren dieser Bewegungen – „robotische Bewegungsstudien“ – wie Passath sie schon genannt hat.

In einer Beschäftigung mit kunsthistorischer Literatur zum Künstler, ist immer wieder die Lebendigkeit der Objekte oder ihre Eigenart angesprochen, der Künstler hierzu: „The robots do not seem lifelike because of their appearance, but gain the appearance of vitality by their movements.“ So wird deutlich, dass Passath über die spezifischen Bewegungsabläufe mit welchen er die Objekte ausstattet, explizit die Wahrnehmung von Lebendigkeit im maschinellen respektive robotischen Objekt als signifikanten konzeptionellen Aspekt seiner Werke versteht. So macht es Sinn sich innerhalb der künstlerischen Praxis von Passath, dezidiert mit der Entwicklung von Bewegungsmotiven auseinanderzusetzen, dabei sind verschiedene Motive voneinander zu differenzieren. Über ihre Bewegungen generieren die Objekte des Künstlers zudem ein spezifisches Verhalten – untereinander oder mit dem Publikum – welches für die Rezipierenden als ein soziales Verhalten wahrnehmbar ist und auf welches das Performance – Publikum emotional reagieren kann.

So lässt sich feststellen, dass bei einigen Werkserien des Künstlers neben der kinetisch-robotischen Konstruktion des Objekts als erster Werkebene, das Hinterlassen von Spuren des Objekts innerhalb einer Performance oder Aktion, als weitere Werkebene zu begreifen ist. In der Performance hinterlässt das Objekt Spuren seiner Existenz – seines spezifischen Verhaltens – seiner Bewegungsabläufe, monochrom oder mit verschiedenen Farben auf am Ausstellungsboden ausgebreiteten Leinen oder Papier. Bei den Werkserien „Painting Traces“, „The Entertaining Aspect of Destruction“ oder „Thinking like a machine“ beispielsweise, muss in der einzelnen Werkanalyse unterschieden werden zwischen: dem Objekt, der „Robotic Symbiotic Performance“ mit dem Objekt und den dabei entstehenden Gemälden und Zeichnungen. Zudem ist das Objekt selbst einmal kinetisch und einmal skulptural beziehungsweise plastisch und als Performancerelikt zu analysieren – womit die Bedingungen und Möglichkeiten von Skulptur/Plastik per se ebenso zu einem Thema werden wie die Möglichkeiten von Performance Art: Im performativen Malprozess spannt der Künstler die Leinwand auf, malt den beispielsweise monochromen Hintergrund als Maloberfläche und lässt die von ihm entwickelten Objekte mit dem Stift darauf zeichnen. Für die Performancedauer gehen Künstler, Objekt und Gemälde eine symbiotische Verbindung ein – die Gemälde und Objekte erhalten danach autonomen Werkcharakter – zugleich sind sie aber auch Relikte eben jenes performativen Prozesses: In einer Symbiose von Mensch und Robotik entstehen generative Gemälde und Objekte, die in ihrer Ästhetik technologisch wirken und dennoch anthropomorph sind – gehen sie doch generell vom Menschen als Entwickler der Maschine respektive dem Roboter aus. Subtil handeln diese Werke so auch von jenem Verhältnis und treiben damit eine Hinterfragung von beispielsweise künstlicher Intelligenz, oder emotionaler Intelligenz, mit an. So lässt sich für das bisherige Oeuvre von Passath ein signifikantes Charakteristikum seiner artifiziellen Praxis konkretisieren: Ein „Dazwischen“ das seine Werke prinzipiell auszeichnet – zwischen Skulptur/Objekt/Plastik, Malerei und Performance, zwischen Stillstand und Bewegung, zwischen dem die Zeit überdauernden Zustand und dem ephemeren Moment.

Elisabeth Saubach MA, 2019